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Landratsamt Tirschenreuth

 

Naturnahe Gärten – ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz

Es ist Fakt, dass die sogenannte Kulturlandschaft durch die Landwirtschaft und von Biogasbetrieben immer intensiver genutzt und damit artenärmer wird. Mais und kurzgeschorene Wiesen wohin man schaut.

Es wäre eine Illusion, zu erwarten, unsere besiedelte und kultivierte Landschaft könnte sich je wieder in eine Naturlandschaft zurückwandeln.

Umso wichtiger ist es, die Gärten, auf die vor allem in Stadtrandlagen und ländlichen Siedlungsstrukturen ein großer Teil der besiedelten Fläche entfällt, so zu gestalten, das sie auch als Lebensraum für möglichst viele Tiere und Pflanzen dienen.

Viele kleine Maßnahmen, die jeder Einzelne in eigener Entscheidungsfreiheit in seinem Grundstück durchführen kann, sind geeignet, interessante und erlebnisreiche Gärten zu gestalten.

Ein sehr populäres Beispiel ist die Errichtung von Trockenmauern oder Gartenteichen. Aber genauso wichtig sind Ruderalfluren, Obstwiesen, Magerrasen oder versickerungsfreundliche Beläge für Terrassen und Wege.

Dieser Artikel soll Mut machen, Gärten interessant zu gestalten und viele kleinflächige Strukturen, die als Lebensraum für Tiere und Pflanzen dienen, zu integrieren.

Naturnahe Gärten als Beitrag zu Tierschutz, Dorfökologie aber auch zur Verbesserung des Ortsbildes – die Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Tirschenreuth wünschen sich, dass möglichst viele Bürger diesen Weg beschreiten. Mit jedem bekehrten Gartenbesitzer, der Abstand von „sterilen Kiesflächen mit Alibibuchskugeln“ oder „perfekten Rasenflächen“ mit Thujenhecken- Einfassung nimmt, könnte eine Lücke in dem brüchigen Netz von Kleinstlebensräumen geschlossen werden. Der Einzelgarten wäre keine isolierte Insel mehr, sondern ein Teil eines Verbundes, der viele verschiedene Biotope erfasst. Diese Vernetzung würde ein Zu- und Auswandern der Lebewesen ermöglichen und den damit für die erfolgreiche Arterhaltung so wichtigen Austausch von Erbanlagen, ohne den es zu Degenerationserscheinungen und langfristig zum Verschwinden einzelner Arten kommt.

 

Lebensräume in Siedlungen und Gärten

Siedlungen und Gärten sind Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanze. Das Ortsbild lebt nicht nur von dem, was von Menschen gestaltet, gebaut und gepflanzt wurde. Es lebt von der Natur, die sich ohne sein Zutun einstellt und ausbreitet, wenn der Mensch sie nur lässt. Wo der Mensch wirtschaftet stellen sich zusätzlich Strukturen und Pflanzengesellschaften, wie z. B. die nährstoffliebende Ruderalflora, ein.

Strukturreichtum ist eine wichtige Voraussetzung für den Arten- und Biotopschutz. Überall dort, wo für den jeweiligen Standort typische Pflanzen wachsen gesellen sich dazu auch Tiere, die auf diesen speziellen Lebensraum angewiesen sind.

Die Vielfalt an Tierarten wird beeinflusst

 durch das Angebot an Unterschlupf in Häusern, Nebengebäuden, Lagerflächen und Gärten

 durch das vorhandene Nahrungsangebot

 durch das wärmere Kleinklima gegenüber der umgebenden Landschaft

Holzstöße sind Brutraum für Vögel und Insekten. Renovierung alter Bausubstanz, ohne die Belange des Artenschutzes zu berücksichtigen, das Beseitigen alter Gebäude für Neubauten, das Fehlen von Dachluken, Nischen und Zugängen zu Kellerräumen führen zum Rückgang zahlreicher Tierarten. Gerade wenn all zu viel aufgeräumt wird, fehlen Tagesverstecke, Nistplätze und Brutstätten.

Auch intensiv gepflegte Gärten mit ausschließlich exotischen Ziergehölzen, geteerte und gepflasterte Höfe und Zufahrten verringern dieses Angebot.

Deshalb sind  heimische Gehölze im öffentlichen und privaten Grün wichtig als Nahrungsgrundlage und Lebensraum für zahlreiche Tiere.

Besonders die Streuobstbestände am Ortsrand vernetzt mit naturnahen Biotopen in der Landschaft besitzen einen hohen Arten- und Insektenreichtum. Dorfbäche, Weiher und Gartenteiche sind unter anderem Laichplätze für Amphibien und Lebensräume für Fische, Libellen und andere Wasserinsekten.

Gewässer sind besonders wertvoll, wenn die Umgebung strukturreich und möglichst naturbelassen gestaltet ist.  Alte, zum Teil noch vorhandene Bruchsteinmauern der Scheunenfundamente oder trocken aufgesetzte Feldstein- und Granitmauern zur Geländeterrassierung sind ebenfalls Lebensraum für zahlreiche Spezialisten unter den Pflanzen und Tieren.

Es sind oft die Kleinigkeiten, die eine große Wirkung haben. Das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs und fünf weitere Schmetterlingsarten benötigen zur Eiablage und als Nahrung für ihre Larven die Brennnessel. Man findet für solche Pflanzen auch im gepflegten Garten ein Plätzchen und sollte zum Beispiel Brennnesseln im stickstoffreichen Randbereich, z. B. des Kompostplatzes akzeptieren.

 

Trockenmauern

Trockenmauern aus Granit, Gneis oder Sandstein prägen vielerorts das Bild der Dörfer in der Region. Ohne Mörtel und Betonfundament, nur durch geschicktes Aufschichten des vorhandenen Steinmaterials, terrassieren sie als Stützmauern das Hanggelände.

Trockenmauern leben von ihrem natürlichen Erscheinungsbild und müssen nicht zentimetergenau gesetzt werden.

Es eignen sich besonders flach ausgebildete Feld- und Lesesteine. Trockenmauern besitzen nur ein Schotterfundament. Leichte Setzungen des Untergrundes werden aufgrund des Aufsetzens ohne Mörtel ausgeglichen. Aus statischen Gründen muss sich eine trocken aufgesetzte Stützmauer allerdings mit etwa 10 bis 20 % gegen den Hang neigen. Die Mauerdicke soll etwa ein Drittel der Mauerhöhe betragen. Die Steine werden flach eingebaut und müssen jeweils satt aufliegen. Ausgeglichen wird mit sog. Zwickelsteinen; kleine Steine, die dafür sorgen, dass nichts wackelt. Kreuzfugen müssen möglichst vermieden werden. Ankersteine, die in die Hinterfüllung der Mauer hineinragen, werden ab und zu mit eingebaut. Die Hinterfüllung sollte aus einem wasserdurchlässigen, strukturstabilen Sand-/ Erd-/ Schottergemisch bestehen.

Natursteinmauern sind ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die vielen Hohlräume und Ritzen, sowie die Speicherung von Wärme sind für die Tierwelt der Mauern von besonderer Bedeutung. Eidechsen nehmen auf den Steinen ein Sonnenbad; Laufkäfer, Kröten, Frösche und Spitzmäuse, die als „Schädlingsbekämpfer“ zur Stabilität des biologischen Gleichgewichts im Garten beitragen, nutzen Hohlräume als Unterschlupf. Auch Solitärbienen und -wespen finden in den Ritzen ihre Behausungen.

Trockenmauern können der Spontanbesiedelung überlassen werden oder mit geeigneten Stauden bepflanzt werden, was am besten schon während des Aufbaus der Mauer geschieht. Dies ermöglicht eine wurzelschonende Behandlung und direkten Erdkontakt. So ist gewährleistet, dass die Pflanzenwurzeln einen sicheren Anschluss an das Erdreich des Hanges erhalten. Typische Mauerpflanzen, wie z. B. Mauerpfeffer, Mauerfarn oder das Zimbelkraut, zeichnen sich durch besondere Anspruchslosigkeit aus und können sich durch Aussamen selbst in kleinsten Ritzen ansiedeln. Da sie im übrigen Garten gegenüber anspruchsvolleren, stark wachsenden Pflanzenarten kaum eine Chance haben, ist die Mauer für sie ein „Überlebensraum“.

 

Gartenteich

Mit dem Verschwinden vieler Naturgewässer gewinnt auch der Gartenteich als Ersatzlebensraum an Bedeutung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Abdichtung und Anlage von Gartenteichen. Dabei empfiehlt es sich, spezielle Fachliteratur zu Rate zu ziehen. Wichtig ist die Anbindung des Teiches an bestehende Strukturen, um Rückzugsmöglichkeiten z. B. für Amphibien zu schaffen, eine Mindesttiefe von 80 - 100 cm, um eine frostfreie Überwinterung von Tieren und Seerosen zu gewährleisten, sowie die Ausbildung flacher Ufer- und Verlandungszonen. Eine artenreiche Bepflanzung in den entsprechenden Tiefenzonen (durch terrassenförmigen Aushub herstellen!) bringt genug Sauerstoff und stabilisiert die Gewässergüte. Da ein Teich sehr rasch von zahlreichen Amphibien und Insektenarten angenommen wird, gibt es u. a. auch für die Kinder viel zu beobachten. Um zu verhindern, dass Gartenteiche für Kinder in ihrem Beobachtungsdrang zur Falle werden, sind entsprechende Sicherungsmaßnahmen (z. B. Einzäunung) vorzusehen.

 

Wege und Hofflächen

Auch bei naturnah gestalteten Freiflächen sind gebaute Elemente erforderlich, um die Flächen zu erschließen und nutzbar zu machen. Leider sind heute aber in den Dörfern und Städten auch viele Flächen unnötig mit Asphalt oder Beton versiegelt.

Dies verursacht nicht nur erhebliche Kosten bei der Herstellung und im Unterhalt, sondern ist auch ökologisch sehr bedenklich. Oberflächenwasser kann nicht mehr versickern und muss aufwendig durch die Kanalisation abgeleitet und gereinigt werden.

Die Pflasterung (Natursteinpflaster mit hohem Fugenanteil oder versickerungsfähiges Betonpflaster) sollte sich auf unbedingt notwendige Verkehrsflächen und Wege beschränken.

Gelegentlich befahrene Flächen lassen sich auch mit Schotterrasen und wassergebundenen Decken befestigen, in deren Randbereichen sich eine dörfliche Ruderalflora ansiedeln kann. Bei der Befestigung ist darauf zu achten, dass große Lasten einen guten Unterbau erfordern. Für die Tragfähigkeit ist nicht der Belag, sondern der Unterbau entscheidend. Bei Schotterrasen wird in der oberen Tragschicht Humus (1/3) mit dem Schotter vermischt und eine spezielle trockenheitsverträgliche Rasenmischung eingesät.

 

Zaungestaltung

Zäune markieren Grenzen und verwehren Unbefugten den Zutritt. Sie sollen dabei nicht abweisend sein oder den Blick versperren. Die Bauart des Hauses, der Gestaltungstyp des Gartens und die Form der Einfriedung müssen miteinander harmonieren. Als Materialien kommen Holz und Eisen in Frage. Kunststoffe und auffällige Beschichtungen sind zu vermeiden.

Beton- und Mauersockel wirken einengend und sind teuer und aufwendig. Sie stören oftmals das Ortsbild und verhindern das Wandern von Igeln und Kröten.

Zeitlos sind die senkrechten Latten-, Staketen- oder Hanichelzäune, wie sie schon seit Jahrhunderten in der Oberpfalz gebräuchlich sind. Sie drängen sich nicht auf und lassen die Pflanzen der Umgebung zur Geltung kommen. Eine durchgehende Begrünung von öffentlichen zu privaten Bereich schafft zudem Großzügigkeit und Offenheit.

Zaungestaltung ist auch eine Gemeinschaftsaufgabe. Ein ansprechendes harmonisches Straßenbild erreicht man durch  eine gewisse Einheitlichkeit von Material, Höhe und Farbe der Zäune. Für die individuelle Gestaltung bleibt z. B. in der Ausbildung der jeweiligen Lattenköpfe noch genügend Freiraum. In Abstimmung mit den örtlichen Bauvorschriften sollten Zäune eine Höhe von 1,00 - 1,20 m haben. In Hanglagen sollte der Zaun dem Gelände folgen und nicht abgesetzt werden. Säulen und Pfosten sollten den Zaun nicht überragen. Neben Natursteinsäulen eignen sich Pfosten aus Holz und Metall. Verzichten Sie auf „modische, geschwungene“ Linienführung. Modetrends haben es an sich, dass die Zeit sie schnell überholt.

 

Hausbaum

Gehölze schaffen im Garten Geborgenheit. Hecken rahmen ihn ein und bilden seine „Wände“. Bäume sind das schattenspendende Dach und zur Raumbildung unentbehrlich. An markanter Stelle, dort wo er sich ausbereiten darf, ist der Platz für den Hausbaum.

Bäume prägen ganz wesentlich die Stimmung eines Gartens. Laubbäume bieten mit ihrem Wechsel von lichtem Schatten und vollschattigem Bereich im Lauf eines Tages und im Jahresablauf reizvolle Möglichkeiten zum Aufenthalt unter der Baumkrone. Unter ihrem Dach können schattenliebende Gehölze und Stauden angesiedelt werden. Nadelbäume laden dazu nicht ein. Sie wirken im Garten abweisend und düster. Häufig unterschätzt man auch den Platzanspruch in Bodennähe bei den Nadelgehölzen. Für eine sinnvolle Nutzung des Gartens bleibt dann kein Platz.

Zumindest im ländlichen Bereich sollten daher bevorzugt die einheimischen, dem rauen Klima angepassten Baumarten verwendet werden. Es eignen sich z. B. Linde, Ahorn und in milden Lagen die Walnuss. Für kleinere Gärten wählt man Eberesche, Hainbuche, Feldahorn, Mehlbeere oder einen Obstbaum. Blühende und fruchtende Obstgehölze sind immer eine Bereicherung. Sie übertreffen in ihrem Schmuckwert manches Ziergehölz und führen uns die Jahreszeiten in der Abfolge Austrieb, Blüte, Ernte, Blattfall und kahles Wintergeäst vor Augen. Im Hausgarten pflanzt man in der Regel Halbstämme. Obstbaulich besonders lohnend sind Obstspaliere an sonnigen Haus- und Garagenwänden.

 

Hecken

Hecken dienen der Gliederung und Raumbildung im Garten. Sie sind natürliche Einfriedung und Sichtschutz. Sträucher sollen miteinander ansprechende und ausdauernde Gemeinschaften bilden.

Wüchsige, heimische Arten wie zum Beispiel Kornelkirsche (Cornus mas), Roter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel   (Corylus avellana) oder der Holunder (Sambucus nigra) bilden das Grundgerüst der Pflanzung und schmücken den Garten dezent mit Blüten, Früchten und farbigem Herbstlaub. Sie sind Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Insektenarten und Vögel. Auch ursprünglich nicht heimische Fruchtsträucher bzw. Wildobstarten, die inzwischen zu unserer Flora dazugehören, wie Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) oder Apfelbeere (Aronia melanocarpa), sind wichtige Vogelschutzsträucher.

Ziersträucher wie Forsythie, Deutzie, Weigelie, u. a., aber auch buntlaubige Gehölze sollten nie in großer Zahl und auch  nicht bunt durcheinander verwendet werden. Am besten pflanzt man solche Ziergehölze am Haus, am Sitzplatz, markiert damit Wendepunkte eines Weges oder pflanzt sie solitär als Gerüstbildner in einer Staudenpflanzung.

 

Fassadenbegrünung

Durch Kletterpflanzen können gestalterische Mängel verdeckt und ein Beitrag zur Verbesserung des Ortsbildes geleistet werden. Aber auch wohlgeformte Baukörper können durch sinnvolle Fassadenbegrünung eine zusätzliche Aufwertung erfahren. Neben den ästhetischen und funktionalen Vorteilen haben Kletterpflanzen auch Bedeutung für den Artenschutz. Sie sind ein beliebter Lebensraum gerade für Vögel. Auf einige Einschränkungen bei der Verwendung von Kletterpflanzen sollte man jedoch achten. Pflanzen mit sehr starker Wuchsleistung wie Blauregen, Knöterich und Baumwürger sollten z. B. nicht an Regenfallrohren wachsen; Selbstklimmer wie Wilder Wein und Efeu sollten nicht bei vorgehängten Fassaden, Wärmedämmungen und Fachwerkbauten oder bereits schadhaften Putzen verwendet werden. Gerüstkletterpflanzen benötigen eine Kletterhilfe, die dem Wuchscharakter der jeweiligen Art entspricht.

Eine Hauswand wird durch das Blätterdach vor Schlagregen und Temperaturschwankungen geschützt. Geschlossener immergrüner Bewuchs wirkt wärmedämmend durch ein isolierendes Luftpolster, das sich zwischen Blättern und Wand ausbildet. Außerdem wird auskühlender Wind gebremst, das hilft Heizenergie einzusparen.

Kletterhilfen sollen solide sein und wenig Pflegeaufwand erfordern. Filigrane Holz-, Metall- und Kunststoffkonstruktionen kommen in Frage. Das Rastermaß muss den Bedürfnissen der Pflanzen und der Gestaltung des Hauses entsprechen. Kletterpflanzen können aber auch Anbauten wie Pergola und Laube gut mit dem Hauptgebäude verbinden und rasch zu verwunschenen Plätzen voller Geborgenheit machen.

 

Haustiere und giftige Pflanzen im Haus und Garten

Pflanzen, die wir einfach schön finden, können für unsere Haustiere richtig gefährlich werden, wenn sie daran herumknabbern. Meist sind die Tiere intelligent genug zu wissen was für sie nicht gut ist. Allerdings gibt es immer wieder mal Ausnahmen.

Die grünen Blätter des Oleanders sind zum Beispiel sehr giftig. Sobald ein Tier davon gefressen hat, kommt es zu Herzlähmungen und kann tödlich enden. Meerschweinchen und Kaninchen sind besonders betroffen. Buchs und Eiben sind ebenfalls sehr toxisch, gerade für Pferde. Vergiftungserscheinungen sind Speichelfluss, die Tiere haben Schaum vor dem Maul, weiterhin starke Entzündung von Magen und Darm, Krämpfe, Durchfall oder auch Verstopfung, ferner Blasenentzündung verbunden mit zuerst starkem, später vermindertem Harndrang, Taumeln, Herz- und Kreislaufkollaps und Atemlähmung. Die tödliche Dosis nach Aufnahme der Eibennadeln liegt für Pferde liegt bei 100 -200 g; der Tod kann bereits nach 5 Minuten eintreten. Eibenschnitt darf unter keinen Umständen auf Pferdeweiden entsorgt werden.

Auch Pflanzenteile, die praktisch zum täglichen Leben gehören, sollte man von den Pferden fernhalten: Kartoffelkeime (können Darmreizungen, Krämpfe und Blutzersetzung auslösen), Tabak (Nikotin kann Nervosität, Lähmungen und Koliken hervorrufen) und Eicheln. Die meisten Pferde meiden Eicheln, doch gerade junge Pferde fressen sie oft recht gern. Doch die in den Eicheln enthaltene Gerbsäure kann zu Verstopfungen und Darmentzündungen bis zur Kolik führen.

Auch bei den Zimmerpflanzen gibt es stark toxisch wirkende Pflanzen. Vorsichtsregeln, die immer mal wieder in Bezug auf die Problematik Kleinkinder – Giftpflanzen formuliert werden gelten mehr oder weniger auch für Haustiere.

Flamingoblume, Buntwurz, Einblatt, Philodendron, Fensterblatt und Dieffenbachie gehören zur Familie der Aronstabgewächse und sind als Zimmerpflanzen weit verbreitet. Sie sind alle mehr oder weniger giftig, doch besonders für Katzen sind sie gefährlich.

Der im Gummibaum enthaltene Milchsaft verursacht bei Tieren schwerwiegende Vergiftungen, wenn sie sich daran laben. Besonders anfällig dafür sind Katzen und Zwergkaninchen, weil bereits nach drei bis vier Blättern Krämpfe und Lähmungen bei ihnen auftreten werden, welche dann zum sicheren Tod führen werden.

Auch in der schönen Adventszeit droht die Gefahr, dass Katzen und Hunde sterben können. Denn in bestimmt jedem Haushalt findet man einen Weihnachtsstern oder einen Ritterstern. Wenn Hund oder Katze davon gefressen haben, dann übergeben sie sich meistens und somit ist die Gefahr gebannt. Allerdings kam es auch schon vor, dass Hunde und Katzen daran gestorben sind.

Selbst Narzissen sind für ein Haustier nicht ungefährlich. Die Folgen einer Aufnahme  sind schwere Entzündungen von Haut und Schleimhäuten.

Selbst Gemüse ist nicht unproblematisch. Gemüsearten wie Avocado, Zwiebel, Knoblauch und Bärlauch sollten ebenfalls außer Reichweite der Haustiere, vor allem der Hunde sein. Durch die Aufnahme solcher Pflanzen werden Durchfall, Brechreiz und Blähungen ausgelöst.

Bitte beim Haustierschutz auch darauf achten, dass es zu keinem Kontakt mit am Boden liegenden Zigaretten kommt. Denn schon der Verzehr einer Zigarette bedeutet den Tod, da das in der Zigarette beinhaltete Nikotin tödlich auf Tiere wie auch auf Menschen wirkt. Da ein Hund viel kleiner als ein Mensch ist, breitet sich auch das Nikotin viel schneller im ganzen Körper aus. Auch Kinder können nach dem Verzehr von wenigen Zigaretten sterben!

Hamster sind sehr empfindliche Tiere. Schon kleine Mengen von bestimmten Obst-, Kräuter-, Gemüse- und Zimmerpflanzensorten, wie Zwiebeln, Erbsen, Schnittlauch und Melonen, können Hamster vergiften.

Was tun, wenn das Haustier etwas Giftiges gegessen hat? Wenn man den Verdacht hat, dass es dem Tier nicht gut geht oder es Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Krampfanfälle oder starken Juckreiz aufweist, dann sollte man unbedingt einen Tierarzt aufsuchen.

 

Haustiere und Pflanzenschutz

Pflanzenschutzmittel können, besonders bei unsachgemäßer (falscher) Anwendung, zu einem

Gesundheitsrisiko für Haus- und Wildtiere werden. Allgemein sind aber Vergiftungen durch Pflanzenschutzmittel seltener als angenommen. In der Vergangenheit fielen die meisten Fälle unter die folgenden Muster:

 Vorsätzliche Vergiftung von Haustieren, Rabenvögeln und Greifvögeln; häufig werden dazu Insektizide aus den chemischen Gruppen der Organophosphate und Carbamate oder Rodentizide (Nagetierbekämpfungsmittel) missbraucht.

 Vergiftung Körner fressender Vögel durch behandeltes, gebeiztes Saatgut oder insektizide Granulate auf einem frisch eingesäten Acker.

 Vergiftungserscheinungen können auch auftreten, wenn ein Tier nicht fachgerecht oder mit einem ungeeigneten Mittel gegen Parasiten behandelt wird/wurde. Ebenso können zu hoch oder falsch dosierte Medikamente giftig wirken.

 Vergiftung von Haustieren durch Rodentizide oder Schneckenbekämpfungsmittel (in Folge unsachgemäßer Anwendung oder Zugänglichkeit zu angebrochenen Packungen).

Viele Gartenbesitzer haben vor allem mit  Nacktschnecken Probleme und führen einen geradezu verzweifelten Kampf gegen diese Plage. Viele greifen dabei zu chemischen Waffen wie dem Schneckenkorn, das dann unbedenklich gestreut wird. Ein im Handel erhältliches Schneckenkorn enthält als Wirkstoff Metaldehyd, ein Magengift, das bereits in kleineren Mengen tödlich sein kann. Dieses Gift verursacht nicht nur bei Schnecken einen qualvollen Tod, es kann auch bei Säugetieren, wie Hunden und Katzen zu tödlichen Vergiftungen kommen. Eine Vergiftung durch Metaldehyd kann bereits bestehen, wenn die Tiere ihre Pfoten sauberlecken. Noch dazu hat dieser Giftstoff einen süßlichen Geschmack, den Hunde mögen. Für einen 10 kg schweren Hund können bereits 5 g tödlich sein. Schneckenkorn verursacht etwa 1 bis 3 Stunden nach der Aufnahme akute Vergiftungserscheinungen, die je nach Menge des in die Blutbahn geratenen Giftes unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Häufig treten Muskelkrämpfe auf – durch die vermehrte Muskelarbeit steigen Körpertemperatur und der Sauerstoffbedarf, was wiederum zu einer schnellen Atmung führt. Weitere Symptome sind ein erhöhter Speichelfluss und Erbrechen und/oder Durchfall. Wenn der Verdacht besteht, dass das Haustier Schneckenkorn aufgenommen hat, bitte so rasch als möglich zum Tierarzt. Eventuell kann auf das unbedenkliche Schneckenkorn auf Eisenphosphatbasis ausgewichen werden.

Generell sollte aber auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet werden. Um Gartenprobleme zu lösen sollten immer biologische Verfahren erste Wahl sein. Es gibt eine Reihe von Alternativen, die vielleicht nicht so durchschlagend sofort wirken, dafür aber langfristig angelegt sind und umweltfreundlich bzw. auch tierfreundlich sind.

 

Tirschenreuth im September 2015

Harald Schlöger

Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege

Landratsamt Tirschenreuth

 

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